Hypertrichose
Hypertrichose ist ein übermäßiges Wachstum von Körperhaaren, das nicht durch Androgene verursacht wird und unabhängig vom männlichen Verteilungsmuster auftritt.
Inhaltsverzeichnis
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient der reinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Beratung. Bei Unsicherheiten und für die Erstellung eines individuellen Behandlungsplans ist das Gespräch mit einem qualifizierten Facharzt unerlässlich.
Definition: Was ist Hypertrichose?
Die Hypertrichose ist die medizinische Bezeichnung für ein übermäßiges Wachstum von Körperhaaren, das nicht durch männliche Hormone (Androgene) verursacht wird. Das Haarwachstum ist dabei unabhängig vom typisch männlichen Verteilungsmuster (wie Bart, Brust, Rücken).
Es können feine Vellushaare oder dickere Terminalhaare betroffen sein, die an untypischen Stellen oder am ganzen Körper vermehrt wachsen. Sowohl Männer als auch Frauen können von Hypertrichose betroffen sein.

Hypertrichose vs. Hirsutismus: Der entscheidende Unterschied
Dies ist die wichtigste Unterscheidung, um das eigene Krankheitsbild zu verstehen. Die beiden Begriffe Hypertrichose und Hirsutismus werden oft fälschlicherweise synonym verwendet.
| Merkmal | Hypertrichose | Hirsutismus |
|---|---|---|
| Ursache | Nicht androgenbedingt (z. B. genetisch bedingt oder medikamenteninduziert) | Hormonell bedingt (Überschuss männlicher Hormone) |
| Betroffene | Männer, Frauen und Kinder | Fast ausschließlich Frauen |
| Haartyp | Meist feines Vellushaar, teilweise auch Terminalhaar | Zwingend dickes, dunkles Terminalhaar |
| Verteilungsmuster | Unabhängig vom männlichen Behaarungsmuster (z. B. am ganzen Körper, im Gesicht oder an den Armen) | Abhängig vom männlichen Behaarungsmuster (z. B. Bart, Brust, Rücken, Oberschenkelinnenseiten) |
Formen und Ursachen der Hypertrichose
Mediziner unterscheiden die Hypertrichose nach ihrem Auftreten und ihrer Ursache:
Generalisierte vs. lokalisierte Hypertrichose
Bei der generalisierten Form ist der gesamte Körper betroffen. Die lokalisierte Form beschränkt sich auf eine oder mehrere klar begrenzte Körperstellen.
Angeborene vs. erworbene Hypertrichose
Angeboren (kongenital): Eine sehr seltene, genetisch bedingte Form, die von Geburt an besteht. Die extreme Ausprägung wird umgangssprachlich auch als „Werwolf-Syndrom“ bezeichnet.
Erworben: Diese Form entwickelt sich erst im Laufe des Lebens und ist weitaus häufiger. Die Ursachen hierfür können vielfältig sein, am häufigsten sind jedoch Nebenwirkungen von Medikamenten (z.B. Minoxidil gegen Haarausfall, Cyclosporin nach Transplantationen, Phenytoin bei Epilepsie).
Der wichtigste Schritt: Die ärztliche Diagnose

Diagnose nur durch den Arzt
Wenn Sie eine ungewöhnliche, verstärkte Behaarung bei sich feststellen, ist der Gang zum Hausarzt oder direkt zum Dermatologen (Hautarzt) unerlässlich. Der Arzt wird durch eine genaue Anamnese (insbesondere Abfrage von Medikamenten), eine körperliche Untersuchung und ggf. eine Blutuntersuchung feststellen, ob es sich um eine Hypertrichose oder einen Hirsutismus handelt und ob eine andere Grunderkrankung vorliegt. Eine Selbstdiagnose ist hier nicht möglich und nicht ratsam.
Behandlungsmöglichkeiten: Was wirklich hilft
Da die Hypertrichose, anders als der Hirsutismus, keine hormonelle Ursache hat, zielt die Behandlung nicht auf die Ursache, sondern auf die Entfernung der störenden Haare ab.
Temporäre Methoden
Rasieren, Wachsen, Zupfen oder die Anwendung von Enthaarungscremes sind kurzfristige Lösungen.
Dauerhafte Methoden
Für eine langanhaltende bis permanente Lösung kommen professionelle Epilationsverfahren infrage:
- Laser-Epilation: Hierbei wird hochenergetisches Licht verwendet, um die Haarwurzel gezielt zu veröden. Dieses Verfahren eignet sich besonders gut für dunkle Haare auf heller Haut und kann eine deutliche und langanhaltende Haarreduktion bewirken.
- Nadelepilation (Elektroepilation): Bei dieser Methode wird eine hauchdünne Sonde in jeden einzelnen Haarkanal eingeführt und die Haarwurzel durch einen Stromimpuls dauerhaft zerstört. Sie ist sehr zeitaufwendig, aber die einzige Methode, die auch bei sehr hellen, grauen oder roten Haaren funktioniert.
Risiken und die Absicherung durch eine Folgekostenversicherung
Die professionelle Haarentfernung ist bei fachgerechter Anwendung sicher. Dennoch können Risiken auftreten:
Laser-Epilation:
- Verbrennungen
- Blasenbildung
- Pigmentveränderungen (helle oder dunkle Flecken)
- vorübergehende Rötungen
- Schwellungen
Nadelepilation:
- Infektionen
- kleine Narben
- Pigmentveränderungen
Sollte es nach einer dieser Behandlungen zu einer Komplikation kommen, die eine medizinische Nachbehandlung erfordert, können erhebliche Kosten entstehen. Eine vorab abgeschlossene Folgekostenversicherung kann Sie vor diesen finanziellen Belastungen schützen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Hypertrichose
Die Hypertrichose selbst ist in der Regel harmlos. Sie kann aber ein Symptom einer anderen, zugrundeliegenden Erkrankung oder eine Medikamentennebenwirkung sein, weshalb eine ärztliche Abklärung so wichtig ist.
Nur, wenn die Ursache behebbar ist. Wird beispielsweise ein auslösendes Medikament nach ärztlicher Rücksprache abgesetzt, kann sich die Behaarung langsam wieder normalisieren. Angeborene Formen sind permanent.
Eine Zunahme von feinen Vellushaaren im Gesicht, besonders im Alter, kann eine Form der erworbenen Hypertrichose sein. Eine ärztliche Abklärung ist auch hier der erste Schritt.
Nein. Da die Ursache nicht hormonell ist, sind Hormontherapien bei einer reinen Hypertrichose wirkungslos. Sie werden zur Behandlung des Hirsutismus eingesetzt.
Bei der Depilation (z.B. Rasur) wird nur der sichtbare Teil des Haares entfernt. Bei der Epilation (z.B. Laser, Nadelepilation, Wachsen) wird das Haar mitsamt der Wurzel entfernt.